DIE HASLACHSCHULE

Grundschule in Villingen-Schwenningen

Zeitkultur in der Schule

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Eltern und Schüler/-innen kennen alle den ZEITdruck und Stoffdruck, unter dem sich heutzutage das vollzieht, was man allgemein “Lernen” nennt. Die permanente ZEITbeschleunigung in der Schule, die Organisation von Lernen durch ZEITmangel, wie sie weitgehend praktiziert wird, verringert permanent das, was einmal “Bildung” hieß. Schulkinder sollen immer mehr, immer früher, immer schneller und immer gleichzeitiger lernen – und können immer weniger, wie Vergleichsuntersuchungen zeigen.

Schüler sind keine Maschinen – sie brauchen ihre Zeiten, Eigenzeiten, um höchste Leistungen zu zeigen und sich als Persönlichkeiten entwickeln zu können. Dass Kinder eine Esskultur vermittelt bekommen, ist meist selbstverständlich; die Notwendigkeit, eine Zeitkultur zu pflegen, wird aber in der Regel ohne Rücksicht auf die negativen Folgen für das Kind ausgeblendet. Sind die für Kinder und Schule Verantwortlichen vielleicht selbst nicht zur Pflege einer eigenen Zeitkultur in der Lage? Ist womöglich ihre eigene Zeitkompetenz nicht über das Primitivstadium des Zeitmanagements hinausgekommen?

Wir in der HASLACHSCHULE entwickeln sehr bewusst unsere ZEITkompetenz und die unserer Schülerinnen und Schüler – das nennen wir Zeitkultur. Wir sehen darin eine zentrale formende Aufgabe, indem wir uns bemühen, als Gestalterin der eigenen ZEIT vorzuleben, wie man mit der eigenen ZEIT umgehen sollte.

“Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.” (F.Nietzsche vor über 100 Jahren)

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Inhalte des ganzen Beitrages: “Lernen in der Zeitkultur-Schule des 21. Jahrhunderts” und “Über die Entsinnlichung der Zeiterfahrungen beim Kind”

Lernen in der Zeitkultur-Schule des 21. Jahrhunderts

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Die Schule des 19.und 20.Jahrhunderts war dadurch gekennzeichnet, dass sie auf verschiedene Weise einen verbindlichen Stoff vermittelte. In der Schule des 21. Jahrhunderts wird ZEITkompetenz die zentrale Schlüsselqualifikation sein, die dem einzelnen Menschen hilft, den jeweils benötigten Lernstoff in der jeweils optimalen Arbeits- und Sozialform zu lernen. Die Schule der Zukunft, in der man einen anderen Umgang mit der ZEIT pflegt, d.h. eine ZEIT-Kultur entwickelt, ist daher die “ZEITkultur-Schule”.
Die Schule heute muss die ZEITkompetenz als einen zentralen Faktor von Bildung wahrnehmen, anerkennen und fördern. Damit ist kein nostalgischer Rückschritt in die Langsamkeit des “Aussitzens” gemeint, sondern eine ausgewogene Balance zwischen den von außen kommenden ZEIT-Anforderungen und der Eigenzeitlichkeit einer jeden Person, Gruppe oder Organisation.
Schulleben muß daher Eigenzeitlichkeit erlauben, d.h. Verweilen, Innehalten, Rückblicken, Fehlerlernen, vorausschauend in Ruhe Erfahrungen sammeln und Überraschungen müssen ermöglicht werden. Muße ist dabei nicht Leere, sondern ein kräfteschöpfendes Moment. Diese Form des Lernens ist in höchstem Maße aktiv, während sich eine im blindem Aktionismus hervorgebrachte Lösung nicht selten als wenig nachhaltige Scheinlösung entpuppt und damit in höchstem Maße mit Passivität zu kennzeichnen ist.

Dieses Vorgehen erfordert aber einen wesentlichen Schritt: Unsere Schule muss nicht nur das Lernen lehren, sondern auch das Ent-lernen, das Auflösen “gelernter” destruktiver Denkweisen und Handlungsstrategien. Dazu gehört zentral der angemessene Umgang mit der ZEIT.

Wir in der HASLACHSCHULE haben die Eigenzeitlichkeit des Lernenden im Blickpunkt und legen Wert auf echte Bildung, die mehr ist als Wissensaufnahme oder mechanistische Lerntechniken.

Über die Entsinnlichung der Zeiterfahrungen beim Kind

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Die Elterngeneration und erst recht die Großelterngeneration hat Pausen, Wartenkönnen , die Zeit noch völlig anders erlebt als die Kinder und Jugendlichen heute. Man muss nicht mehr (mit Freude, Sehnsucht u.a.) auf einen Brief warten, weil das Fax oder E-Mail solche Gefühle unnötig macht. Kinder machen keine Zeiterfahrungen mehr beim Miterleben von Wachstumsvorgängen im Gemüsegarten, beim Entstehungsprozess von handwerklich hergestellten Produkten und selbst die Herstellung eines guten Essens ermöglicht dank Mikrowelle und Fastfood kaum noch “angemessene” Zeiterlebnisse.
Auch in ihrer Gesamtentwicklung brauchen die Kinder nicht mehr zu warten, “bis sie alt genug sind”; sie bekommen es sofort. Die Angst der Erwachsenen, etwas versäumen zu können, gepaart mit dem eigenen Zeitbeschleunigungsdogma (“Schneller ist besser !”) macht blind für Prozesse der Eigenzeitlichkeit bei sich selbst und damit auch beim Kind.

Leben vollzieht sich nicht linearisiert, in Curricula, nach Stoffplänen und so, dass die Uhr das Maß angibt. Die lehrenden und lernenden Personen sind nicht vergleichbar mit Maschinen, sondern sind lebendige Organismen, die für die eigenen Entwicklungsvorgänge ihre Eigenzeitlichkeit besitzen.
Schulleben muss daher Eigenzeitlichkeit erlauben, d.h. Verweilen, Innehalten, Rückblicken, Fehlerlernen, vorausschauend in Ruhe Erfahrungen sammeln und Überraschungen müssen ermöglicht werden. Muße ist nicht Leere, sondern ein kräfteschöpfendes Moment. Hier liegt auch der Schlüssel für die pädagogische Antwort, welche die Schule geben kann.

Wir in der HASLACHSCHULE wollen auch ein Modell bieten für Zeitsinneserfahrungen in der Umwelt. Feste Zeiten, Rituale, Rhythmen, elementare Zeiterfahrungen, Erlauben von Langsamkeit: Dies können Ansätze für ein Modell sein, mit dem unsere Schule ihren (bescheidenen) Teil leisten kann, um der Ent-Sinn-lichung entgegenzuwirken und den Schülerinnen und Schülern zur Be-Sinn-ung zu verhelfen.
Wir nehmen das Wort Schule ernst: “Schule” kommt vom griechischen “schole” und heißt “Muße”!